Interview mit der guten Seele der Fachbuchhandlung in Wiesbaden

Beruf oder Berufung? 

 

Spontan würde ich sagen Berufung. Ich wollte nach dem Abi eine kaufmännische Ausbildung machen, aber nicht den ganzen Tag in einem Büro sitzen. Meine Schwester brachte mich dann auf die Idee, mich als Buchhändlerin zu bewerben - ich war ja ohnehin oft in Buchhandlungen unterwegs. Bereut habe ich es bis heute nie, auch wenn viele meinten, ich solle doch irgendwas studieren, man würde so wenig verdienen, hätte unschöne Arbeitszeiten...Für mich ist es einfach „mein" Beruf - ich liebe vor allem die Vielfältigkeit dabei.

 

Kommst du überhaupt noch privat zum Lesen? Wie heißt das letzte Buch das du gelesen hast? 

Die Zeit zum Lesen nehme ich mir - vor allem im Bus auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause und,  wenn ich eine machen kann, in der Mittagspause. Wenn ich nicht zu müde bin lese ich abends dann noch ein paar Seiten im Bett.
Ich lese meist mehrere Bücher gleichzeitig, zuletzt ausgelesen habe ich von John Irving „In einer Person" und von Patrick Ness „Sieben Minuten nach Mitternacht".

 

Welche 3 Bücher würdest du weiterempfehlen?

Das ist schwierig, es kommt natürlich immer auf die persönlichen Vorlieben an.
Ich nehme mal drei Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe und richtig gut fand:
1.  Mette Jakobsen „Minous Geschichte",

2. Ben Aaronovitch „Die Flüsse von London" Band 1,

3. Maarten't Hart „Der Flieger".

 

Du arbeitest in einer juristischen Fachbuchhandlung - welche Eindrücke hast du von den Juristen so gewonnen?

Als ich vor fünf Jahren hier anfing zu arbeiten, war ich zugegeben etwas „skeptisch"  - das lag aber vor allem daran, dass mein früherer Schwerpunkt die Kinder- und Jugendliteratur war, da hatte ich doch eine etwas andere Kundschaft und andere Bücher um mich ...
Aber ich habe ganz schnell gelernt: Juristen sind auch nur Menschen J. Letztlich ist es doch ohnehin egal, wer was arbeitet, studiert hat... solange man seinem Gegenüber Freundlichkeit und Respekt entgegen bringt, bekommt man das in der Regel auch zurück und es entwickeln sich gute und schöne Kunde-Händler-Beziehungen.

 

Was verbindest du mit Wiesbaden?

 

Ich habe in Wiesbaden die Oberstufe besucht und mein Abitur gemacht, danach auch meine Ausbildung bei der Buchhandlung Bräuer (die es leider nicht mehr gibt). Allein durch diese sechs Jahre habe ich natürlich eine gewisse Bindung zu Wiesbaden.
Nach ein paar Jahren im Rheingau kam ich dann zunächst beruflich wieder hierher, bis Anfang des Jahres haben mein Mann und ich auch beinahe drei Jahre in Dotzheim gewohnt. Für mich als totales Dorfkind war das Leben in der Stadt aber nicht das Richtige, daher haben wir die privaten Wurzeln inzwischen woanders geschlagen. Aber ich mag es nach wie vor, hier zu arbeiten - ich habe nette Kunden und die Stadt selbst ist ja mit ihrem alten Baubestand einfach schön.

 

Du hast noch weitere kreative Leidenschaften, z. B. Dekorieren und die Fotografie, das Schaufensterkann man hier im Laden sehen - wo kann man deine Fotos betrachten?

 

Ein paar meiner Bilder sind im Netz bei fotocommunity.de zu sehen. Ich bin aber eine reine Amateur-Hobby-Fotografin, also nicht zu viel erwarten J. Ansonsten stricke ich auch, vor allem Socken -  die kann man dann vor allem an meinen Füßen und an denen meiner Lieben bewundern ;-)

 

Wie lautet dein Lieblingszitat?

Das ist eigentlich ein Gedicht:

Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten

(Hilde Domin)

 

 

Bald ist Weihnachten - was macht für dich die Vorweihnachtszeit aus?

 

Privat: Meine Familie. Die Wärme zu Hause. Die lebendige Erinnerung an meine behütete Kindheit. Die Musik. Zuzusehen, wie sich die Natur auf den Winter vorbereitet. Ich würde nie vorm Advent Lebkuchen oder andere Weihnachtssachen kaufen - aber jetzt kann ich das wieder genießen. Und nicht zuletzt die Besinnung darauf, worum es eigentlich geht: die Geburt Jesu.
Beruflich: Weihnachtsschaufenster dekorieren und im Laden ein bisschen Weihnachtsstimmung erzeugen. Dem ein oder anderen Kunden auch schöngeistige Bücher verkaufen/bestellen zu dürfen.

 

Eine etwas persönlichere Frage: Was ist dein Lieblingstee und Weihnachtsgebäck?

 

Tee: „Sturmtief" aus dem Friesen-Café auf Amrum,
Gebäck: die „Vanillekipferl" meiner Mutter nach dem Rezept meiner verstorbenen Oma.

 

Was wünschst du dir für die Zukunft?

 

Privat: Das unsere Familie weiter so gut zusammenhält, das bestehende Freundschaften weiter so gut funktionieren. Das die Dinge, die ich mir ganz für mich wünsche, irgendwann realisierbar sind. Kraft und Gesundheit.
Beruflich: Weiter hier und in meinem Beruf arbeiten zu können. Das meine Arbeit weiter positiv wahrgenommen und respektiert wird. Das wir den Laden irgendwann mal renovieren können. Weiterhin so gute und schöne Kontakte pflegen zu können.

 

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Vielen Dank, Verena für das Interview und die Einblicke in deine Tätigkeit als Buchhändlerin in der Fachbuchhandlung Scherell & Mundt in Wiesbaden.

 

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